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1.Was ist Kunst?
2. Medium
    2.1. Das zweidimensionale Bild
    2.1. Bildformat 
    2.3. Bildgröße 
    2.4. Bildinformationen
3. Leben und Kunst
 
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1. Was ist Kunst?
 

Kunst ist eine Sonderform der Auseinandersetzung und Reflexion eines Künstlers mit dem tatsächlichen Leben in all seinen Facetten, in dessen Zentrum der Mensch steht und deren primäres Ziel es ist daraus ein Kunstwerk zu schaffen und nicht das beispielsweise ihm vorausgehende Problem zu lösen oder die Wirklichkeit wahrheitsgetreu abzubilden.

Ein Kunstwerk ist ein ästhetisches Produkt das in Form und Erscheinung eigenen Regeln und Überlegungen folgend in sich geschlossen wirkt (auch ein Werk das unvollendet ist oder Prozesscharakter hat ist letztlich Kunst wenn es vom Künstler in diesem Sinne produziert wurde oder der Wahrnehmer oder die Gesellschaft es als Kunst ansieht und behandelt), als solches erfahrbar ist und beim Wahrnehmer eine geistige Anregung, Erregung oder Irritation bewirkt ohne eine direkte Antwort oder Reaktion von diesem zu erwarten (auch Kunstwerke die den Wahrnehmer oder das Publikum mit einbeziehen oder mit diesem interagieren sind in sich abgeschlossen weil die Publikumsreaktionen Teil des Kunstwerkes selbst sind).

Die Auseinandersetzung geschieht über ein Medium (z. B. Roman, Malerei, Fotografie, Skulptur, Performance, Film, etc. oder einer Mischform wie Graphic Novel, Installation, Oper, etc.) das einen spezifischen Ausdruck ermöglicht. Den unterschiedlichen Medien steht in der Regel ein eigenes, zum Teil hoch entwickeltes Instrumentarium (z. B. Farben und Malgründe für Malerei, Kameras für Film und Fotografie, Musikinstrumente und Aufnahmetechnik für Musik, etc.) zur Verfügung, eine eigene Infrastruktur aus Unterricht, Präsentation, Vermarktung und Konservierung, sowie eine eigene Geschichte.

Neben einer Kernbotschaft, die das Kunstwerk haben kann aber nicht muss, bzw. die man aus ihm herauslesen oder interpretieren kann und in gesprochener Sprache mitunter sogar verständlicher und präziser übersetzen kann (z. B. „Beim Hören hatte ich das Gefühl plötzlich im Dschungel zu stehen, als hätte der Komponist jedem Tier ein Instrument zugeordnet“, „Der Roman beschreibt das Leben von S. die aufgrund ihrer Behinderung von ihrer Mutter und ihrer Umwelt keine Liebe erfährt und das Kochen für sich entdeckt um Menschen an einen Tisch zu bringen“, „Das Porträt zeigt ihn nicht als kühl berechnenden Herrscher und Feldherrn sondern als Privatmann im Kreise seiner Kinder“, etc.), ist entscheidend wie das Kunstwerk durch die Komposition und Abfolge seiner medialen Elemente (z. B. beim Bild durch Figuren, Formen, Farben, Räumlichkeit, Licht und Schatten, Vordergrund und Hintergrund, Spannung, etc.) beim Wahrnehmer als gelungen und geistig anregend erlebt wird.

Vereinfacht ließe sich demnach sagen, dass Kunst bedeutet Dinge zu verschönern, Schönheit zu produzieren oder aus etwas Banalem, Hässlichem oder gar Abstoßendem etwas Ansehnliches zu machen (z. B. wenn in einer Fotografie eine Spinne, die bei einer Person Abscheu hervorrufen würde, so ins Bild gesetzt wird, dass die Fotografie von derselben Person als schön empfunden werden kann obwohl sie eine Spinne zeigt). So gesehen ist jeder Mensch zu künstlerischer Tätigkeit fähig. Jedoch wird dies nicht der Notwendigkeit einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit einem Thema sowie der Komplexität ihrer Erscheinung, die beim Wahrnehmer eben nicht nur als schön im Sinne von gefällig, sondern auch als provozierend oder verstörend ankommen kann, gerecht. Ästhetik bedeutet also Schönheit in ihrer Komplexität.

Kunst ist ein Refugium für Dinge, die ausgedrückt werden wollen aber auf eine andere Art nicht ausgedrückt werden können (oder dürfen) und in dem Probleme gezeigt oder gelöst werden können wie es im tatsächlichen Leben nicht oder für den Künstler nicht möglich wäre. Hier kann Unsachliches, Unwahrscheinliches oder Ungeheuerliches so gesagt werden, dass es Sinn macht.

 
 
2. Medium
 
    2.1. Das zweidimensionale Bild
 

Schwerpunkt meiner künstlerischen Arbeit ist das zweidimensionale Bild als Fotografie, Zeichnung oder Malerei.

Ein Bild ist ein Ausschnitt aus der Wirklichkeit, einer künstlichen Welt oder ist eine Welt, die auf das Bildformat beschränkt ist.

 

Meiner Meinung nach hat in der bildenden Kunst das zweidimensionale Bild am meisten Potential, weil es auf vergleichsweise wenig Fläche am meisten sagen kann.

Seine Vorteile gegenüber anderen Medien sind:

1. Das Bild ist am besten und direktesten reproduzierbar. Ist es digital entstanden kann es auch direkt ausgedruckt oder im Internet verbreitet werden. Muss es erst fotografiert oder gescannt werden ist immer die frontale und zentrale Ansicht die idealste. Bei Skulpturen oder Installationen ist die idealste Perspektive zur fotografischen Abbildung subjektiv.
2. Dadurch dass das Bild in der Regel an der Wand hängt oder direkt auf ihr aufgebracht ist greift es nicht oder nur geringfügig in den Raum davor ein und ist platzsparender als z. B. Skulptur oder Installation.
3. Im Gegensatz zu Literatur, Graphic Novel, Musik, Theater oder Film bindet das Bild den Wahrnehmer nicht über einen bestimmten Zeitraum an sich um vollständig erfahren zu werden. Ein Augenblick kann hierfür genügen. Ein Bild hat zeitlich weder Anfang noch Ende.

Ein Gemälde ist zwar durch sein Relief des Farbauftrages nur dreidimensional vollständig erlebbar, trotzdem ist es noch zweidimensional gemeint und kann deshalb auch als fotografische Abbildung vollständig verstanden werden.

 

Eher auf Ablehnung stoßen bei mir Bilder, die zwei- und dreidimensional zugleich sind (z. B. hineingeklebte Objekte, verformte Leinwand, mitbemalte Kanten, etc.). Ich habe dann oft das Gefühl mich mit einem Menschen zu unterhalten, der zwar auf den ersten Blick einen sympathischen Eindruck auf mich macht, doch unser Gespräch kommt nicht voran, weil die Zeit und Energie dafür verpuffen dass erst die Begriffe über die wir reden definiert werden müssen.

 
 
    2.2. Bildformat
 

Das rechteckige Format, inklusive dem Quadrat, ist in meinen Augen das für das Bild am besten geeignete Format. Es ist die idealisierte Form des Gesichtsfeldes, also des Ausschnittes wie wir sehen, und kommt diesem näher als der Kreis. Seine Form ist Symbol für das Fenster oder den Computerbildschirm, durch den man die Welt draußen betrachtet. Aufgrund seiner horizontalen und vertikalen Abgrenzungen hat es in sich höchstmöglich ausgewogenen Kontrast und Parallelität zu Horizont und räumlichen Senkrechten. Es ist nicht das Modell für das Auge, dies wäre der Kreis, aber für die Kamera.

Bildformaten, die vom Rechteck abweichen oder zu sehr in Richtung Band oder Streifen gehen, stehe ich eher ablehnend gegenüber, es sei denn sie sind Bestandteil der Bildinformation oder vorgegeben durch Raum oder Architektur (z. B. Fresko, Graffiti, etc.)

Eher auf Ablehnung stoßen bei mir Bilder, die das Bildformat zu überwinden versuchen (z. B. mitbemalter Rahmen, etc.).

 
 
    2.3. Bildgröße
 

Nicht-transportable Bilder (z. B. Pflastermalerei, Fresko, Graffiti, etc.) sollten zu dem Ort an den sie gebunden sind einen inhaltlichen Bezug haben, da es sonst keinen Sinn macht dass sie sich ausgerechnet dort befinden. Zudem sind sie oft ungeschützt und somit einer beschränkten Lebensdauer ausgeliefert. Aufgrund dieser Einschränkungen ziehe ich das transportable Bild auf einem Bildträger (Papier, Leinwand, etc.) vor.

Sofern die Bildgröße nicht vorgegeben ist, richtet sie sich nach den Informationen die das Bild enthält. Kann ich ein größeres Format mit meinen Informationen nicht füllen, ziehe ich das kleinere vor. Es kann so das Bild verdichten und in einer Ausstellungssituation dem Betrachter Anlass geben näher an das Bild heranzutreten. Ein Graffiti auf einer Fassade muss vergleichsweise groß sein, denn die Sprayfarbe lässt zum einen keine haarfeinen Linien zu und zum zweiten möchte es auch von Weitem gesehen werden können, da es nicht immer möglich ist als Betrachter nah herangehen zu können. In einer Ausstellungssituation besteht die Möglichkeit dazu fast immer. Deshalb scheint mir große Abmessungen bei einem Bild das sich in einer Ausstellungssituation befindet dann angemessen, wenn das Bild es schafft dem Betrachter Gründe zu geben näher heran zu kommen um Bildinformationen zu entdecken und zu verstehen.

Ich mag es zum Beispiel eher kleinformatige Serien so anzulegen, dass sie als Gruppe präsentiert als ein hochverdichtetes großes Format erscheinen können. Es ist jedoch gut möglich, dass ich selbst gar nicht fähig bin ein einzelnes großes Format nach meinen eigenen Vorsätzen angemessen zu füllen.

Die Qualität eines Bildes hängt unter anderem davon ab, wie lange ich als Betrachter das Bedürfnis habe es mir anzuschauen oder ob ich beim nächsten Mal Dinge entdecke, die mir bei der ersten Betrachtung nicht aufgefallen sind. Dafür sind Format und Verdichtung nicht ausschlaggebend, aber von Einfluss.

 
 
    2.4. Bildinformationen
 

Ein Bild ist in seinen Möglichkeiten erst vollständig ausgeschöpft, wenn es Charaktere, Raum, Landschaft, Farbigkeit, Licht und Schatten, Spannung und Handlung in einer für den Künstler spezifischen Technik hat.

Folglich liegt die Herausforderung für mich darin

1. all diese Elemente in einem Bild zu integrieren.
2. mit der Summe so zu verfahren, dass es die Wahl des Mediums und der Technik notwendig und schlüssig macht.
3. dass das Bild eine Botschaft hat, die klar und nachvollziehbar ist, also keine unbeantwortbaren Fragen aufwirft, sondern Möglichkeiten anbietet. Wenn Effekte, Pointen oder raffinierte medienspezifische Techniken vorrangig sind besteht das Risiko, dass das Bild im Rätselhaften versandet. Begnügt sich das Bild damit lediglich gut auszusehen wird es inhaltlich beliebig.

Ich glaube, das zu erreichen ist schwer. Natürlich kann ein Porträt vor einem monochromen Hintergrund, das außer einem Charakter, Farbigkeit und eine für den Künstler spezifischen Technik wenig mehr hat vollständig sein, mich als Betrachter überzeugen und ergreifen. Vielmehr stelle ich mir hier die Frage, ob es für mich als Künstler befriedigend ist, wenn ich ausschließlich das mache.

Der abstrakten Kunst stehe ich inzwischen eher ablehnend gegenüber. Sie erscheint mir wie eine Welt in der der Mensch fehlt und deshalb kann sie unsere Probleme auch nicht angemessen reflektieren. Sie ist im Grunde harmlos, überall vorzeigbar und dekorativ. Doch bevor dies ein Grund ist sie abzulehnen brauche ich mich nur daran erinnern, dass sie der Kunst mehr Freiheit und neue Möglichkeiten brachte und dafür auch bekämpft wurde.

Wiederholungen von Motiven oder eine ledigliche Anhäufung selbiger im Bild können notwendig sein solange andere Aspekte und Gestaltungselemente hinzukommen. Ansonsten sehe ich die Gefahr, dass das Bild Oberfläche und inhaltsarm wie eine Mogelpackung bleibt.

Gespalten bin ich bei der Verwendung von Text. Die Herausforderung sollte darin liegen das, was man sagen möchte, durch bildnerische Mittel zu erreichen. Doch gerade weil im wirklichen Leben in der Regel keine Menschen, Gebäude oder Wolken vorkommen die Wörter bilden, keine plötzlich zu unseren Handlungen für andere sichtbare, selbsterklärende Texte aus dem Nichts auftauchen oder über unseren Köpfen Gedankenblasen schweben, bietet es sich an, dies im Bild zu tun. Andererseits ist Text ein anderes Medium. Trotzdem habe ich immer wieder gern auch Text in meinen Arbeiten verwendet.

 
 
3. Leben und Kunst
 

Anfangs wollte ich persönliche Themen in meiner Arbeit eher vermeiden. Ich hielt es für aufdringlich und, zugegeben, ich wollte mich auch nicht in jedem Punkt mit mir selbst auseinandersetzen und flüchtete mich lieber in die Abstraktion.

Das hat sich geändert. Denn was mich selbst betrifft, betrifft in dieser oder jener Weise auch andere. Kunst die mir hilft mich mit mir selbst auseinanderzusetzen hat Relevanz, dafür ist sie da. Seit einigen Jahren ziehe ich deshalb Themen vor, die etwas mit mir zu tun haben: Schule, Beruf, Eltern, Heimat, etc.

Hin und wieder sollte ich vielleicht tiefer ins Detail gehen. Stärker mich selbst, meine eigene Rolle in den jeweiligen Zusammenhängen reflektieren. Oder mich mit meinem Körper auseinandersetzen.

Über Themen, denen ich mich durch eine Auseinandersetzung stelle, kann ich auch leichter und offener sprechen und Meinungen die diesbezüglich zu anderen Ergebnissen kommen respektvoller begegnen. Dinge, denen ich ständig ausweichen muss, können irgendwann anfangen weh zu tun und es besteht die Gefahr dass ich mich davon gefangen nehmen lasse. Es ist gut wenn das was ich mache umgekehrt auch einen positiven Effekt auf mich selbst hat und ich glaube, dass meine Arbeiten dadurch besser und interessanter geworden sind.

 

Woraus besteht unser Leben, was macht uns aus? Es folgt eine kleine Auflistung von Stichwörtern...

Alter, Angst, Arbeit, Ausbildung, Bauen, Beruf, Behinderung, Besitz, Courage, Dokument, Drogen, Eltern, Erfahrung, Erfolg, Erinnerung, Ernährung, Erziehung, Fähigkeit, Familie, Feindschaft, Flucht, Freundschaft, Geburt, Geheimnis, Geld, Geschichte, Geschlecht, Geschmack, Geschwister, Gewissen, Glaube, Heimat, Hilfe, Humor, Jugend, Karriere, Kindheit, Kinder, Kleidung, Körper, Krankheit, Konflikt, Krieg, Krise, Landschaft, Leidenschaft, Liebe, Lüge, Medien, Mode, Nachbarschaft, Nachlass, Natur, Politik, Prüfung, Pubertät, Pflege, Pflicht, Region, Reise, Sammlung, Scheitern, Schule, Sexualität, Sport, Sprache, Sicherheit, Staat, Sterben, Strafe, Streit, Sucht, Talent, Tod, Trauer, Traum, Trauma, Treue, Umzug, Verantwortung, Verletzung, Verrat, Verzeihen, Wissen, Wohnen, Zuhause, Zeit, Zeitgeist

Aus mehr oder weniger all diesen großen Themen besteht mein Leben, eingerahmt von Geburt, Tod und der Zeit in der ich lebe. Den einen oder anderen Aspekt habe ich vielleicht mit der Zeit etwas ausser Acht gelassen oder er betrifft mich auch gar nicht, aber im Grunde kann ich in unterschiedlicher Weise zu allem etwas sagen. Die Frage ist nur wann ich dazu bereit bin.

 

Ein gut sortierter Supermarkt bietet fast alle Lebensmittel die ich brauche. Deshalb gehe ich bevorzugt in den Supermarkt der mir am nächsten gelegen ist, schließlich muss ich auf dem Rückweg volle Taschen tragen und dies ist umso weniger beschwerlich je kürzer der Weg ist. Benötige ich ein neues Paar Schuhe, einen neuen Computer oder einen neuen Stuhl, gehe ich dafür besser in ein Fachgeschäft wo ich die entsprechende Auswahl habe was die Chancen erhöht das zu finden was am besten zu mir passen könnte. Auf den Supermarkt aber bin ich angewiesen, ich muss zum Einkaufen immer wieder dorthin sobald der Kühlschrank leer ist. Ich habe nicht immer Lust dazu aber manchmal finde ich auch etwas neues im Angebot das ich noch nicht kenne und Obst und Gemüse wechseln je nach Saison.

Eine gut organisierte Stadt bietet mir nicht nur eine Wohnung und einen Arbeitsplatz sowie eine Möglichkeit dorthin zu kommen. Will ich einen Berg besteigen, im Ozean tauchen oder eine andere Stadt erleben muss ich dazu die Stadt in der ich lebe verlassen, ansonsten finde ich hier alles was ich benötige oder benötigen könnte: Schule, Schwimmbad, Supermarkt, Fachgeschäfte, Restaurants, Kino, Konzertbühne, Museum, Park, Bibliothek, Bahnhof, Flughafen, Krankenhaus.

Ich stelle mir vor, dass das Werk eines Künstlers, das sich vorgenommen hat das Leben in all seinen Facetten zu reflektieren, vergleichbar ist mit einem Supermarkt oder einer Stadt. In dem man zu fast allem was das Leben betrifft etwas findet, wo man immer etwas entdeckt und wohin man deswegen immer wieder zurückkehrt.
 
 
 
Wien, August 2016